Wie kurzfristig darf Ihr Arbeitseinsatz abgesagt werden?

Wie kurzfristig darf Ihr Arbeitseinsatz abgesagt werden? © Die Schweizerische Post
23.09.2016

Der sogenannte Annahmeverzug bezeichnet die Situation, in welcher der Arbeitgeber seiner Mitarbeiterin oder seinem Mitarbeiter nicht genügend Arbeit zuweisen kann oder er den Arbeitseinsatz aus anderen Gründen absagt. Doch welche rechtlichen Folgen hat ein solcher Annahmeverzug und wie können Sie konkret reagieren?

Ist es ihnen auch schon passiert, dass ihr Arbeitseinsatz ein, zwei Tage vorher abgesagt wurde und Ihnen die geplanten Stunden danach abgezogen wurden? Das muss nicht so sein!
 
Die Gründe für die Absage eines Einsatzes sind vielfältig: fehlende Aufträge, Verspätungen im oder ausserhalb des Betriebs oder unvorhersehbare Dienstplanänderung. Ihr Arbeitgeber kann Sie auffordern Ihre Arbeit zu kürzen oder dem Dienst fern zu bleiben. Er schuldet Ihnen dann aber trotzdem Lohn und Arbeitsstunden. Denn im Arbeitsrecht – genauer gesagt im Obligationenrecht (OR) – ist es so festgehalten. Zur Nachleistung der ausgefallenen Zeit sind Sie nicht verpflichtet.
 
Arbeitszeiten gemäss Einsatzplan
Im GAV Post steht, dass die Arbeitszeiten gemäss Einsatzplan in der Regel zwei Wochen im Voraus festgelegt werden. Aufgrund dieser Vorgaben planen Sie Ihre Freizeit (Kinderbetreuung, Weiterbildung, Sport, etc.). Erfolgt eine Absage oder Kürzung der geplanten Arbeitszeit weniger als 72 Stunden vor dem geplanten Einsatz, so gilt der entsprechende Einsatz als geleistet, sofern der Grund der Absage bzw. der Kürzung der Arbeitgeberin zuzurechnen ist. Änderungen der Einsatzplanung zwischen der Ankündigung und 72 Stunden vor Einsatz bleiben vorbehalten. Aber auch dann muss eine Dienstplanänderung für Sie zumutbar sein, d.h. der Betrieb muss auf die Situation der Arbeitnehmenden Rücksicht nehmen.
 
Insistieren Sie
Zusätzlich schreibt der GAV Post vor, dass die Mitarbeitenden in einem solchen Fall auf die Erbringung der Arbeitsleistung gemäss Einsatzplanung beharren müssen. So steht es auch im OR geschrieben und bedeutet, dass Sie explizit Ihre Arbeitskraft anbieten müssen, wenn Ihr Diensteinsatz kurzfristig gekürzt oder aufgehoben wird. Es bestätigt, dass Ihrerseits der Einsatz bereits als geplant und insofern als geleistet erachtet werden kann. Auch einer Aufforderung in dieser Zeit Überstunden abzubauen, müssen Sie nur nachkommen, wenn Sie damit einverstanden sind.

Wenn Sie also beispielsweise per E-Mail eine Absage erhalten, dann bestätigen Sie in einem ersten Schritt am besten die Kenntnisnahme der Nachricht. Stellen Sie in einem weiteren Schritt klar, dass Sie jedoch für die vereinbarte Zeit zur Verfügung stehen und daher die geplanten Stunden als geschuldet erachten.
 
Bei Fragen zum Annahmeverzug sowie weiteren Anliegen stehen Ihnen unsere Regionalsekretariate gerne zur Verfügung