Urs Schwaller auf den Zahn gefühlt

Urs Schwaller auf den Zahn gefühlt © Die Schweizerische Post AG
19.12.2016

Er ist der neue Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post. transfair hat mit Urs Schwaller über die aktuellen Abbaupläne und die Zukunft des gelben Riesen gesprochen.

Stellenabbau, bloss durchschnittliche Pensionskassenleistungen, allgemeine Zukunftsskepsis besonders bei den Mitarbeitenden von PV und PM. Was unternimmt die Post um die Unsicherheiten der Mitarbeitenden zu reduzieren und wieder eine attraktivere Arbeitgeberin für Mitarbeitende sowie Fach- und Führungskader zu werden?

Die Post ist und bleibt eine attraktive, verlässliche und sozialverantwortliche Arbeitgeberin. Die hohen Werte in der jährlichen Personalumfrage, die tiefe Fluktuationsrate von nur 3,8 Prozent und die Tatsache, dass unsere Mitarbeitenden bei der Post im Durchschnitt deutlich über 10 Jahre bleiben, sprechen für die Attraktivität der Arbeitgeberin Post.
Ausserdem hat die Post bei allen Reformen und Reorganisationen in der Vergangenheit gezeigt, dass sie fürs Personal eine zuverlässige und sozialverantwortliche Arbeitgeberin ist – das soll auch in Zukunft so bleiben, dafür setze ich mich als Verwaltungsratspräsident ein. Die Post kann dies aber nur bleiben, wenn sie bei zunehmender in- und ausländischer Konkurrenz Spielraum hat und auch die Mitarbeitenden flexibel sind. Dank ihrer wirtschaftlichen Stärke und langfristigen Planung konnte die Post die notwendigen Reformen und Stellenreduktionen beispielsweise in der Briefverarbeitung, im Bereich von Stückgut und Logistik aber auch im Poststellennetz sozialverträglich auffangen. Nur ein erfolgreiches Unternehmen kann auch Arbeitsplätze sichern.
 
Ist es realistisch den angekündigten Poststellenabbau bzw. die Entwicklung des Postnetzes der Zukunft in nur drei Jahren durchzuführen?
 
Die Entwicklung ist ja nicht neu. Die Post ist seit gut 15 Jahren daran, ihr Postnetz den heutigen und künftigen Anforderungen anzupassen. Diese sprechen eine deutliche Sprache, wenn es um den Besuch einer Poststelle im eigenen Dorf geht: In den letzten 15 Jahren zählte die Post am Schalter 63 Prozent weniger Briefe, 42 Prozent weniger Pakete und 37 Prozent weniger Einzahlungen – das Defizit beträgt heute über 100 Millionen Franken. Einfach zuwarten und an der alten Infrastruktur festhalten ist kein Rezept. Wir möchten vielmehr rasch das Filialnetz umbauen, ergänzen mit weiteren Agenturlösungen, Paketautomaten, Pickpost-Stellen und digital angereicherten Dienstleistungen. Das Tempo der Entwicklung gibt nicht die Post vor, sondern die Kundin und der Kunde, die sich immer schneller in diese Richtung entwickeln. Wichtig ist auch, dass wir noch mehr das Gespräch mit den Gemeinden und ihren Bürgerinnen und Bürgern suchen.
 
Um die rückläufigen Briefmengen zu kompensieren, denkt die Post daran, das Stromablesen durch die Postboten anzubieten. Welche anderen Ideen existieren?
 
Es gehört zum eigentlichen Kerngeschäft der Post, sechs Mal die Woche Haushaltungen mit der Tour des Postboten zu besuchen. Mit dem Rückgang des Briefvolumens aufgrund der elektronischen Kommunikation liegt es auf der Hand, dass wir das Kerngeschäft der Zustellung mit neuen Dienstleistungen sinnvoll ergänzen. Das kann auch das Zählerablesen sein, aber auch die Zustellung von regionalen Produkten wie Gemüse, Obst oder Fleisch, wie wir es für Bauern als Ergänzung zu ihrem Hofladen in ländlichen Regionen bereits begonnen haben. Im Interesse auch der Arbeitsplätze sind wir offen für neue sinnvolle Angebote wie zum Beispiel einfache Dienstleistungen
 
Sprechen wir über die Pensionskasse Post. transfair fordert die volle Übernahme der notwendigen Erhöhung der Kapitalien der Rentner durch die Post und die Verhandlung eines Sozialplanes zur Deckung der Lücken, die durch unfreiwillige Pensionierungen entstehen. Wie stehen sie dazu?

Für mich hat die Sicherung der Altersvorsorge seit jeher eine hohe Priorität. Dabei ist zuerst einmal der Stiftungsrat der Pensionskasse Post in der Verantwortung. Er muss insbesondere die finanzielle Stabilität der Pensionskasse sicherstellen und hat unter anderem Parameter wie den technischen Zins oder den Umwandlungssatz festzulegen. Wir führen aber auch sozialpartnerschaftliche Verhandlungen, um gute Lösungen für das Unternehmen Post wie auch für die Mitarbeitenden zu finden. Die Post will sich wie bei früheren Verhandlungen stark bei der Konsolidierung der Pensionskasse engagieren. Dabei muss ich aber auch auf die aktuellen strategischen Ziele des Bundesrates für die Post hinweisen, in denen klar auf eine Mitbeteiligung der Mitarbeitenden verwiesen wird.  
 
Wie sehen Sie die Zukunft der Sozialpartnerschaft?

Die Gesamtarbeitsverträge der Post, die dieses Jahr in Kraft getreten sind, beweisen, dass die bereits langjährige Sozialpartnerschaft zwischen der Post und ihren Verhandlungspartnern transfair und syndicom funktioniert. Die Verträge sind aber auch ein Beweis dafür, dass wir gemeinsam Verantwortung für die Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeitenden tragen wollen. Unser Bekenntnis zu einer fairen Sozialpartnerschaft bleibt auch unter meiner Führung unverändert. Bislang hat die Post mit ihren Mitarbeitenden im immer härteren Wettbewerb mit nationaler und zunehmend weltweiter Konkurrenz vieles richtig gemacht. Und sie hat sich erfolgreich behauptet. Dabei gilt es beide Seiten zu berücksichtigen – Wirtschaftlichkeit und Sozialverantwortung – und in sozialpartnerschaftlichen Gesprächsrunden, Diskussionen und Verhandlungen abzustimmen. Sicher sind wir uns nicht bei allen Themen einig. Unser Ziel ist aber, dass wir jeweils am Ende der Gespräche Lösungen finden, die für alle, das Unternehmen und die Mitarbeitenden einen erfolgreichen Weg in die Zukunft ermöglichen.
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