Presto erneut auf dem Richtplatz der Presse

Presto erneut auf dem Richtplatz der Presse © Denira
14.07.2016

Regelmässig werden die Post und seine Tochtergesellschaften in der Presse thematisiert, meist negativ. Ende 2015 war es der Beobachter, der mit dicker Schlagzeile «Guthaben abgezwackt» über Presto berichtete, Anfang Juni 2016 folgte der K-Tipp mit «Post spart auf dem Buckel der Zeitungsverträger». transfair informiert erneut.

Im neusten Fall bemängelt der K-Tipp, dass die heute schon tiefen Löhne jetzt zum Teil noch weiter gekürzt werden. Gleichzeitig wird kritisiert, dass die Touren neu berechnet werden und dadurch in vielen Fällen weniger Zeit zur Verfügung steht. Die Art der Zeitmessung sei unfair.

transfair bringt Licht in die Sache


Tourenmessungen mit Mobitest
Viele Touren von Presto wurden bisher noch nicht gemessen. Mit dem Mobitestgerät werden jährlich ca. 1‘300 Touren gemessen. Dabei wurde festgestellt, dass einige Touren in der Vergangenheit nicht korrekt  bemessen waren, deshalb kann es zu zeitlichen Abweichungen sowohl positiver wie negativer Art kommen. Das heisst, einige haben davon profitiert, andere nicht. Die Tour bemisst sich nach der Zeit, die ein durchschnittlicher Verträger benötigt. Tourenmessungen werden auch angeordnet oder können vom Verträger gewünscht werden, wenn sich die Tour aufgrund Neubauten verändert hat.

Stundenlohn
Die Frühzustellenden sind im Stundenlohn angestellt. Der Stundenlohn bleibt auch bei einer neuen Tourenberechnung gemäss GAV unverändert.
 
Lohnsystem
Das alte Lohnsystem:
  • Fixe Arbeitszeit auf Basis von Messungen an Stichtagen
  • Halbjährliche Anpassung der Tourenzeiten aufgrund der Mengenveränderungen an einem Stichtag.
Das neue Lohnsystem:
  • Wegzeit Strasse als Basislohn
  • Wegzeit Haus und Handling der Sendungen teilweise variabilisiert
  • effektive Mengen werden täglich bei der Bemessung der Tour berücksichtigt
Auch wenn die bezahlte Arbeitszeit mit der neuen Lohnsystematik jetzt schneller an die Mengenentwicklung (sowohl positiv (z.B. Probeabos, Abowerbung) wie auch negativ (Ferienmutationen und Aborückgänge) angepasst wird, ist das neue Lohnsystem nicht nur fairer, da die Zustellenden im Gegensatz zum alten System nicht die Mengen eines Stichtages sondern die effektiven, täglich anfallenden  Mengen vergütet erhalten.  Damit ist das System auch zeitgerechter und bietet neu mit der Wegzeit als Basislohn trotzdem einen stabilen Grundlohn. Nicht in der Tourenberechnung enthaltene zusätzliche Aufträge werden separat entschädigt.

90-Minuten-Tour

Als Idealfall werden 90-Minuten-Touren angeboten. Als Folge der weiter sinkenden Zustellmengen werden Touren regelmässig neu berechnet und, wo möglich, mit anderen Touren zusammen gelegt, um auf die angestrebte 90-Minuten-Tour zu kommen. Wo dies nicht mehr möglich ist, kann sich das bisherige Einkommen reduzieren.

In einer Protokollerklärung zum GAV Presto AG haben die Sozialpartner vereinbart:
«Presto AG ist bestrebt, dass eine Tour an einem Werktag nicht weniger als 60 Minuten dauert, an einem Sonntag nicht weniger als 90 Minuten. Zu beachten sind örtliche und betriebliche Begebenheiten (z.B. mehrere Touren durch den gleichen Mitarbeitenden) sowie Wünsche der Mitarbeitenden».

Haltung von transfair

transfair als Sozialpartner von Presto AG, ist mit unserer neuen Verantwortlichen für die Sozialpartnerschaft Presto, Susanna Meierhans, bei Bedarf in direktem Kontakt mit der Arbeitgeberin. Eine gelebte Sozialpartnerschaft bedeutet, dass man anstehende Probleme nicht via Presse thematisiert, sondern im Rahmen der im GAV vorgesehenen Organe und diese gemeinsam einer Lösung zuführt. Wir bleiben in jedem Fall dran!
 
Die vertragsschliessenden Gewerkschaften kennen die Parameter des Lohnsystems und der Tourenmessung genau. Jetzt die Tourenmessung als nicht realistisch zu reklamieren - das ist unfair. Die Mitarbeitenden wurden mit dem neuen Gesamt- bzw. Einzelarbeitsvertrag darüber informiert. Die transfair Mitglieder wurden im Detail über die Resultate der GAV-Verhandlungen orientiert.
 
Realistische Hoffnungen auf eine Erhöhung des Stundenlohnes sind auch im Rahmen der anstehenden neuen GAV-Verhandlungen ehrlicherweise nicht angezeigt. Die jährlich sinkenden Zustellmengen und harten Verhandlungen mit den Zeitungsverlagen lassen Presto AG ökonomisch keinen Spielraum dazu. Aber, immerhin haben aktuell noch über 8‘000 Mitarbeitende eine Arbeit und ein (Zusatz-)Einkommen von Presto AG.

Und übrigens: transfair hat in den letzten Jahren einige Mitglieder begleitet, für welche auch in schwierigen Situationen Touren-Alternativen gefunden werden konnten. Zusätzlich setzen wir uns dafür ein, dass der besonderen Sorgfaltspflicht für ältere Mitarbeitende Rechnung getragen wird. Da rechtlich keine Arbeitsplatzgarantie besteht, lohnt sich eine Mitgliedschaft umso mehr und die Beiträge sind - dem Beschäftigungsgrad angepasst - sehr tief.

transfair ist die Verstärkung der Presto-Mitarbeitenden

Unterstützen Sie uns in Ihrem Interesse, weitere Mitglieder zu werben und damit unsere Verhandlungsposition zu stärken. Zu diesem Zweck erhalten Sie mit dem Schreiben einige Anmeldeformulare. Motivieren Sie Ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen zu einem Beitritt, gemeinsam sind wir stark! Anmeldungen können auch auf www.transfair.ch getätigt werden. Vielen Dank für ihre Verstärkung!

Falls Sie Fragen haben, kontaktieren Sie unsere Regionalsekretariate.
Übrigens, aktuelle Beiträge, auch zu Presto, finden sich laufend auf www.transfair.ch
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