Gespräche erhöhen Aussicht auf Erfolg

Gespräche erhöhen Aussicht auf Erfolg Rene Fürst, Branchenleiter Post/Logistik © transfair
03.10.2017

Die kontradiktorische Veranstaltung «Rette Deine Poststelle» von transfair war ein voller Erfolg. In Olten versammelten sich mehr als 50 Gemeindevertreterinnen und -vertreter und Poststellenmitarbeitende. Sie folgten den Ausführungen von Vertretern von Gemeinden, Post, Politik und PostCom. Und erfuhren, dass Gespräche mit der Post durchaus Chancen auf Erfolg haben können.

transfair sucht stets konstruktive Ansätze. Deshalb hat René Fürst, der Branchenleiter Post/Logistik des Personalverbandes transfair, die von der Schliessung ihrer Poststelle in der Gemeinde betroffenen Gemeindevertretenden und Poststellenmitarbeitende zur Konferenz «Rette Deine Poststelle» eingeladen.
 
Erfreulicher Erfolg
Im Vordergrund standen der Informationsaustausch und die Vermittlung von wirksamen Tipps und Tricks, und damit machte transfair klar, dass der Personalverband Taten polemischen Worten vorzieht. René Fürst, der Branchenleiter Post/Logistik von transfair, war nach drei Stunden zufrieden: «Die Konferenz hat gezeigt, dass beide Seiten dialogbereit sind. transfair hat hier als tatkräftiger Vermittler für einen konstruktiven Austausch gewirkt.»
 
Die Postseite präsentierte ihre Ausgangslage
Von 2000 bis 2016 haben die Poststellen in ihren Kerngeschäften Brief- und Paketannahme sowie Einzahlungen zwischen 40 bis 65 Prozent der Mengen verloren. Vor diesem Hintergrund hat der gelbe Riese vor gut drei Jahren mit dem Umbau seines Poststellennetzes begonnen.
 
In seiner Rede gab Thomas Baur, der Leiter PostNetz zu, dass die Post in kommunikativer Hinsicht dazugelernt hat, doch die Veränderung sei nötig: «Wenn wir es nicht machen, dann kommen Google und Amazon; diese Unternehmen sprechen heute schon mit verschiedenen Firmen über neue Zugangspunkte.» Baur gab unumwunden zu, dass Postagenturen in zwei Bereichen schlechter abschnitten, als Poststellen: «Mit dem Wechsel zur Agentur verlieren die KMU Dienstleistungen; seit September 2017 haben wir deshalb einen Abholservice eingerichtet oder Geschäftskundenstellen geschaffen; und was die Bareinzahlungen betrifft: Diese können seit September 2017 auch beim Pöstler an der Haustüre getätigt werden.» Baur betonte aber, dass die parlamentarischen Vorgaben eingehalten würden. Zum Schluss seines Vortrags gab er den Anwesenden einen wichtigen Rat: «Nehmen Sie aktiv Kontakt mit der Post auf! Meine Mitarbeitenden werden in jedes Gespräch ergebnisoffen einsteigen.» Hier die Ausführungen von Thomas Baur.
 
Formales Vorgehen gegen Poststellenschliessungen
Hans Hollenstein, der Präsident der Eidgenössischen Postkommission PostCom, erläuterte danach die Aufgaben und Kompetenzen der PostCom. Ein Antrag auf Überprüfung eines Schliessungsentscheides wird auf mehrere Kriterien überprüft, bevor die PostCom der Post eine unverbindliche Empfehlung abgibt. Hollenstein erwähnte, dass die Post diesen Empfehlungen aber meistens folge. Und er forderte von der Politik griffigere Vorgaben für das Poststellennetz. Hier die Ausführungen von Hans Hollenstein.
 
Grosse Lücken im Prozess
«Das Parlament muss dafür sorgen, dass die Vorgaben an die Post differenzierter und griffiger werden», so eröffnete Stefan Müller-Altermatt, CVP Nationalrat und transfair Präsident, seinen Einblick in das politische Geschehen rund um die Post. Zu bearbeiten gibt es neben seiner eigenen, noch drei weitere Motionen, die bei Annahme durch beide Räte den Bundesrat zu Taten aufrufen, sowie eine Standesinitiative des Kanton Jura. Dieser findet es stossend, dass die PostCom im Verfahren einer Schliessung oder Verlegung einer Poststelle oder –agentur nur eine Empfehlung abgibt. Mit der Standesinitiative soll die PostCom das Recht erhalten, einen anfechtbaren, formellen Beschluss zu fassen. Weiter sollen auch Bürger und Bürgerinnen mit genügenden Unterschriften gegen die Schliessung mit einer Eingabe vorgehen können. Müller-Altermatt: «Die Mühlen im politischen Bern mahlen nicht sehr schnell, aber man spürt, dass der Wind dreht.»
 
16.3481 Motion Amherd
Regional differenzierte Erreichbarkeitsvorgaben in der postalischen Grundversorgung
16.3482 Motion Amherd
Mehr Transparenz in der Erfüllung der postalischen Grundversorgung
17.314 Standesinitiative Kanton Jura
Verbesserung des Poststellennetzes und Stärkung der Rolle der Gemeindebehörden bei der geografischen Verteilung der Postämter
17.3356 Motion Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen
Strategische Poststellennetz-Planung
17.3938 Motion Müller-Altermatt
Mittel- und langfristige Planung bei Poststellen und Postagenturen
 
«Sucht das Gespräch!»
Matzendorf hat es erfolgreich vorgemacht: Zuerst wurde die Situation analysiert, unter anderem auch mit statistischen vor Ort Erhebungen der Gemeinderatsmitglieder. Die Bevölkerung wurde motiviert und schrieb Leserbriefe oder Protestkarten an die Post; der Regierungsrat und Wirtschaftsvertreter wurden kontaktiert und schliesslich engagierten sich auch die Medien.
 
Marcel Allemann, der Gemeindepräsident von Matzendorf, machte klar: «Zuschauen und abwarten ist keine Strategie. Wir sind proaktiv auf die Post zugegangen und haben die wirtschaftliche Bedeutung der Poststelle Matzendorf für das ganze Thal bis hinauf nach Moutier dargelegt.» Ja, sie hätten vielleicht auch das Glück der Tüchtigen gehabt, aber man werde auch 2020/2021 erneut für die Poststelle Matzendorf kämpfen. Hier die Ausführungen von Marcel Allemann.
 
Tipps und Tricks zu «Rette deine Poststelle» können Sie bei der Administration von transfair bestellen.
Einsatzbereiche
Die Schweizerische Post, Poststellen und Verkauf