Die PostCom fordert regionale Kriterien

Die PostCom fordert regionale Kriterien © Die Schweizerische Post
07.07.2016

Per Mitte Juni veröffentlichte die PostCom (Postkommission / unabhängige Regulierungsbehörde im Postmarkt) ihren Jahresbericht 2015. In der Schweiz steht die postalische Versorgung der Bevölkerung und des Gewerbes im internationalen Vergleich auf einem sehr hohen Niveau. Die vom Gesetzgeber erstellten Vorgaben wurden im vergangenen Jahr zwar übertroffen, aber die PostCom weist auch auf Schwachstellen hin.

Erreichbarkeit und Pünktlichkeit

Der Gesetzgeber schreibt einerseits vor, dass die Erreichbarkeitswerte als jährlicher nationaler Durchschnitt erhoben werden und andererseits müssen 90 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung die nächste Poststelle oder Postagentur zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb von 20 Minuten erreichen können. Die Verbesserung der Erreichbarkeit schreibt die PostCom der Entvölkerung und der Optimierung des öffentlichen Verkehrs und nicht den Postdienstleistern zu. Die Pünktlichkeit der Brief- und Paketzustellung ist weiterhin auf hohem Niveau stabil.   

Schwachstellen

Für die Versorgung mit Poststellen und Agenturen fordert die PostCom anstelle eines landesweit geltenden Durchschnittswertes, regionale Kriterien. Auch der vom Gesetzgeber gewünschte Wettbewerb unter den Marktteilnehmenden funktioniere in einzelnen Bereichen noch zu wenig gut, deshalb sollen Rechtsanpassungen Abhilfe schaffen. Regional angepasst Öffnungszeiten der Poststellen sollen ferner auf veränderte gesellschaftlichen Realitäten Rücksicht nehmen und auf die Bedürfnisse der Kundschaft angepasst werden. Ferner sieht die PostCom Anzeichen dafür, dass die Post im Rahmen des geltenden Rechts ihre Praxis verschärft hat.

Post weiterhin in starker Stellung

Bei den Paketen bis 30kg hat die Schweizerische Post mit einem Marktanteil von 80% weiterhin eine starke Stellung. Im geöffneten Teilmarkt der inländischen Briefe liegt der Marktanteil gar bei 99% und zwar beim Umsatz sowie Volumen.

Private Postdienstleister

Die grössten, mehrheitlich im Verband KEP&Mail organisierten privaten Postdienstleister, sehen sich mit dem PostCom-Bericht darin bestärkt, dass sich der Wettbewerb weiter entfalten muss. Insbesondere bestätigen sie, dass der ehemalige Monopolist (Die Schweizerische Post) bezüglich Wettbewerbsvorteilen bei der Gewährung von Kuppelrabatten, dem Zugang zu Teilleistungen und der Hoheit über die Postfachanlagen durch das geltende Recht bevorteilt wird. KEP&Mail sieht unter anderem auch Handlungsbedarf beim Zugang zu Poststellen und Agenturen für die Platzierung von Angeboten privater Postdienstleister und als Abholstellen.

transfair mittendrin

Als Sozialpartner der Schweizerischen Post und des Verbandes KEP&Mail interessiert sich transfair natürlich für den Jahresbericht der PostCom genauso wie für deren Visionen. 115 Poststellen zum Beispiel wurden geschlossen oder in Agenturen umgewandelt, diese Tatsache belebt jedoch weder den Wettbewerb unter den Postdienstleistern, noch verbessern sich dadurch die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden in den Agenturen. Im laufenden Jahr wird die von der PostCom in Auftrag gegebene Studie erwartet, welche Auskunft über die Arbeitsbedingungen im Postsektor geben soll. Darauf basierend sollen 2017 Mindeststandards festgelegt werden. Es ist von grossem Vorteil, dass transfair mittendrin ist und in Kontakt mit den wichtigsten Akteuren, denn dadurch können wir die herausfordernde Zukunft aktiv mitgestalten und auf Anzeichen der Verschärfung der Praxis einwirken.
Einsatzbereiche
Die Schweizerische Post, DPD, Epsilon AG, IMS AG, InfraPost AG, Mobility Solutions AG, PostAuto AG, PostAuto Unternehmer, Poststellen und Verkauf, PostMail, PostLogistics, PostFinance AG, PostLogistics AG, Presto AG, SecurePost AG, Swiss Post Solutions, Swiss Sign AG, Verband KEP&Mail