Die Lohnschere öffnet sich weiter

Die Lohnschere öffnet sich weiter ©jaturonoofer/fotolia
05.10.2018

Die Löhne der Chefetagen von bundesnahen Betrieben geraten immer wieder in die Kritik der Öffentlichkeit. Lange nicht im Rampenlicht standen die Honorare der Verwaltungsräte dieser Unternehmen und die Pensionskassenlösungen für die Topkader. Mit der PostAuto-Affäre jedoch sind die Diskussionen erneut entfacht. transfair nimmt Bedenken seiner Mitglieder ernst und hat die Situation um die Managerlöhne analysiert und nimmt Stellung.

Auslöser dieses Artikels sind Rückmeldungen von Mitgliedern, die die Unterschiede in der Entwicklung und der Höhe der Löhne der Mitarbeitenden und der Entschädigungen für die Konzernleitung und den Verwaltungsrat im Verhältnis zu ihren eigenen Löhnen als ungerecht empfinden.
 
Für die Saläre der Topmanager ist der Eigner, sprich der Bundesrat, zuständig. transfair kann durch sein Präsidium, Nationalrat Stefan Müller-Altermatt und Nationalrat Thomas Ammann, Einfluss darauf nehmen. Für die Löhne der Mitarbeitenden legt sich transfair jährlich mächtig ins Zeug, um in Verhandlungen mit dem Sozialpartner Post gute Lösungen zu finden.
 
Studie zu Managerlöhnen
2018 führte Travail.Suisse zum 14. Mal die Studie zu den Managerlöhnen von 26 Schweizer Unternehmen durch. Die Studie zeigt: 2011 lag die durchschnittliche Lohnschere in den Unternehmen noch bei 1:45. Bis 2017 hat sie sich auf rund 1:49 geöffnet. Die höchste Lohnschere finden wir im Bankensektor mit 1:273. Der fortgesetzte Bonirausch verursacht hohe politische und gesellschaftliche Kosten. Unter anderem, weil mittlerweile alle die Ungerechtigkeit der immer grösser werdenden Lohnschere begriffen haben. Die Frage, ob die Arbeit eines anderen Menschen wirklich 273 Mal mehr wert ist als die eigene, kommt auf und beschäftigt.
 
Die Managerlöhne der bundesnahen Betriebe fallen im Vergleich mit der Privatwirtschaft gering aus. Für die Post ist dies ein Problem: Sie möchte kompetente Leute mit einem attraktiven Lohn anlocken. Umso mehr braucht es zusätzliche Anreize, da die Post im Rahmen der Digitalisierung und der Neuausrichtung vor immensen Herausforderungen steht und neue, innovative Köpfe dringend nötig wären.
 
Obwohl es um utopisch hohe Löhne geht, zeigt eine Studie, die die Löhne der Verwaltungsratspräsidenten der hundert grössten börsennotierten Firmen der Schweiz vergleicht, dass der Durchschnitt mit 389 000 CHF deutlich höher ist, als derjenige des Verwaltungsratspräsidenten Urs Schwaller. Er erhielt 2017 rund eine Viertelmillion.
 
Auch im Vergleich mit anderen bundesnahen Bundesbetrieben steht die Post gut da. Die Löhne der Konzernleitung sind zumindest bei der Post verhältnismässig deutlich weniger stark gestiegen.

 
Unternehmen Lohn CEO 2017 Lohn Konzernleitung 2017 Lohnerhöhung Personal
Post 0,97 Millionen (+/–0% im Vergleich zu 2016) 0,55 Millionen (+2% im Vergleich zu 2016) +0,4%
Swisscom 1,87 Millionen (+2 im Vergleich zu 2016) 1,15 Millionen (+12% im Vergleich zu 2016) +0,6%
SBB 1,0 Millionen (–4,2% im Vergleich zu 2016) 0,55 Millionen
(–7,7% im Vergleich zu 2016)
+0,8%
 
Kaderlohnreporting des Bundes
Der Bundesrat erstellt jährlich einen Bericht, der der Finanzdelegation der eidgenössischen Räte zugestellt wird. Der Bericht gibt Auskunft über die Verhältnisse in den Unternehmen und Anstalten des Bundes, und das seit Jahren. Und hier bewegt sich die Post im Vergleich mit den anderen bundesnahen Betrieben im Rahmen.
 
Endlich Obergrenzen
Die Generalversammlung der Post hat 2018, wohl auch auf politischen Druck hin, neue Obergrenzen für die Entlohnung 2019 festgelegt. Die Summe der Honorare des gesamten Verwaltungsrats (inkl. Verwaltungsratspräsident) darf 1,09 Millionen Franken nicht übersteigen. Die Summe des Honorars des Verwaltungsratspräsidenten beträgt höchstens 255 000 CHF. Die Summe der Entlohnung der gesamten Konzernleitung ist auf maximal 6,10 Mio. Franken begrenzt. Hier die Botschaft des Bundesrates als Eigner: Die Entlohnung der Konzernspitzen von bundesnahen Unternehmen muss zurückhaltender sein.
 
Unter dem Strich …
… bleibt den Mitarbeitenden immer weniger Geld im Portemonnaie. Das ist höchst frustrierend, denn erhöhte Lohnabzüge im Zusammenhang mit der Sicherung der AHV tauchen schon am Horizont auf. Währenddessen kassieren die Manager immer mehr. transfair hat Verständnis dafür, wenn die Mitarbeitenden sich ungleich und ungerecht behandelt fühlen. Denn die aufgezeigten Vergleiche können nur im Ansatz begreifbar machen, weshalb eine so grosse Lohnschere entsteht. Schlussendlich sind es doch die Mitarbeitenden, die die Unternehmensleistung mit viel Fleiss, Flexibilität und Einsatz erarbeiten.