Der Branchenkongress Post/Logistik hat entschieden

Der Branchenkongress Post/Logistik hat entschieden © transfair
19.04.2016

Der diesjährige Branchenkongress hat am 13. April in Luzern stattgefunden. Nach einer kurzen Einführung in die aktuellen Herausforderungen der Branche begrüsste Branchenpräsident Werni Rüegg die zahlreichen Anwesenden aus allen Bereichen und Firmen der Post.

Handlungsbedarf bei der Altersvorsorge

Ein Thema, das alle betrifft, ist die Altersvorsorge. Matthias Kuert, Leiter Sozialpolitik bei unserem Dachverband Travail.Suisse, erläutert die Entwicklungstendenzen und führt aus, wie es um die Reform der Altersvorsorge steht. Die AHV (wie die Pensionskasse Post übrigens auch) hat vor allem mit dem Ungleichgewicht zwischen aktiven Beitragszahlenden und bereits pensionierten Menschen zu kämpfen. Die Baby-Boomer gehen in Rente und gleichzeitig wird die Lebenserwartung immer höher – beides muss finanziert werden. Die Pensionskassen kämpfen mit der Finanzierung der höheren Lebenserwartung. Ausserdem herrscht durch Negativzinsen Anlagenotstand. Es besteht Handlungsbedarf aber auch genügend Zeit, um Finanzierungslücken zu schliessen und Anpassungen ohne Leistungseinschnitte vorzunehmen.

Wie steht es um die Pensionskasse Post?

Branchenleiter René Fürst erläutert die Situation der Pensionskasse Post und betont, dass für transfair zentral ist, dass die Mitarbeitenden mit Würde in Rente gehen können und nicht auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind. Tiefe Obligationenzinsen und sinkende Erträge aus den Aktienmärkten betreffen auch die Pensionskasse Post. Die Herausforderungen sind vielzählig, der laufende Personalabbau, tiefere Durchschnittslöhne und das Ausbleiben genereller Lohnentwicklungen etwa sind Faktoren, mit welchen die Post den Zustand der Pensionskasse massgeblich mit beeinflusst.Damit der Deckungsgrad über 100 Prozent bleibt, sind langfristig Massnahmen gefragt. Schnellschüsse wird transfair ebenso wie eine Fortführung der bisherigen Salamitaktik, welche die Mitglieder immer wieder kritisiert haben, ablehnen.

Altersvorsorge: Entscheid

Die Altersvorsorge sorgt für viel Gesprächsstoff, die Wortmeldungen sind zahlreich. Umso wichtiger ist es, dass sich transfair hart aber fair für seine Mitglieder einsetzt. Der Branchenkongress hat sich dazu entschieden, kein neues Verhandlungsmandat zu erteilen, weil die Forderungen der Resolution 2014 (in Würde in Rente gehen) noch nicht zufriedenstellend erfüllt sind. Erst wenn die Post Verhandlungsbereitschaft zu diesen Punkten zeigt, und die Pensionskasse Post eine seriöse Analyse durchgeführt sowie ein Gesamtkonzept erstellt hat, können Verhandlungen in Betracht gezogen werden.

Kauf und Verkauf von Ferien

Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik von Travail.Suisse, zeigt spannend die geschichtliche Entwicklung der Ferien auf. Während 1879 erste Regelungen für die Bundesangestellten festgehalten wurden, sind seit 1984 ein Minimum von vier Wochen geregelt. Da Ferien zu den zentralen Verhandlungspunkten der Sozialpartnerschaft gehören, gibt es oft Spezialregelungen, die über das gesetzliche Minimum hinausgehen. Sinn und Zweck der Ferien ist die Erholung der Arbeitnehmenden. Eine hohe Wochenarbeitszeit, erhöhte Anzahl an Überstunden und der durchschnittlich immer länger werdende Arbeitsweg sind Gründe dafür, weshalb Möglichkeiten zur Ferienverlängerung per se nicht schlecht sind. Auch bei der Post ist ein Kauf von Ferien möglich. Die Kompensation mit zwei Prozent Lohn pro zusätzlicher Ferienwoche ist fair und die grosse Flexibilität ist ebenfalls ein positiver Punkt. Der Verkauf von Ferien hingegen ist als gefährlich einzustufen. Denn die Gefahr, Ferien aufgrund finanzieller Aspekte zu verkaufen, ist gross.

Ferien: Entscheid

Auch das Thema Kauf und Verkauf von Ferien wird heiss diskutiert. Bei der Abstimmung kristallisiert sich heraus, dass die meisten Anwesenden mit der jetzigen Praxis zufrieden sind. Die Vereinbarung wird deshalb weiter laufen. Jedoch wird transfair vertieft prüfen, ob der Verkauf von Ferien nicht gesetzeswidrig ist.

Danke!

Die Teilnehmenden machen den Referenten ein grosses Kompliment, man sei umfassend, transparent und verständlich informiert worden. Branchenpräsident Werni Rüegg bedankt sich zum Schluss bei allen Anwesenden für die spannenden und engagierten Diskussionen, für das aktive Mitmachen und Mitdenken. Die Herausforderungen sind gross, gemeinsam werden wir sie jedoch bewältigen.
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