Fernverkehr: Es müssen gleich lange Spiesse gelten

Fernverkehr: Es müssen gleich lange Spiesse gelten © transfair
08.02.2017

Zwei Arten von Fernbussen beschäftigen aktuell die Branche: Zum einen sind ausländische Anbieter gemeint, die in die Schweiz oder durch die Schweiz fahren. Zum andern steht der Fernbus in der Schweiz quasi als «Fernverkehr» in den Startlöchern. transfair lehnt Fernbusse grundsätzlich nicht ab, solange mit gleich langen Spiessen gearbeitet wird. Daher stellen wir die Fernbuslinien auf die gleiche Stufe mit dem Fernverkehr auf der Schiene und fordern, dass vor der Erteilung einer Konzession wesentliche Punkte erfüllt sein müssen.

Internationale Fernbus-Bertreiber, die in und durch die Schweiz fahren, sind bewilligungspflichtig und müssen das Kabotagegesetz befolgen. Leider wird das Ein- und wieder Aussteigen an den Halteorten in der Schweiz nicht konsequent geprüft, Verstösse sind deshalb leicht möglich. Störend ist weiter, dass keine Schweizer Lohnvorgaben angewendet werden müssen. Daher muss das BAV das Kabotageverbot sowie die Ruhezeiten der Chauffeure enger kontrollieren lassen. Politisch fordert transfair schlussendlich, dass die Schweizerischen Arbeitsbedingungen auch auf die ausländischen Betreiber und Chauffeure angewendet werden müssen. Wer Verkehrsleistungen in der Schweiz anbieten will, hat alle sozialen Standards einzuhalten. Ein Druck auf die Arbeitsbedingungen ist inakzeptabel.

Falls demnächst Schweizerische Fernbuskonzessionen in der Schweiz durch das BAV vergeben werden, sind die gesetzlichen Vorgaben betreffend die branchenüblichen Arbeitsbedingungen für den Lohn und betreffend der Arbeitszeit (Arbeitszeitgesetz) in der Schweiz nachzuweisen und einzuhalten.

transfair fordert ein klares Bekenntnis zur Qualität

Auf allen Fernbuslinien sind zudem eine zum Schienenfernverkehr adäquate Infrastruktur, Fahrgastinformation sowie weitere Qualitätsvorgaben einzufordern und durch die Busbetreiber sicherzustellen und zu unterhalten:
  • Bezeichnete, vor dem Wetter geschützte, überdachte und behindertengerechte Haltestellen mit entsprechenden sanitären Anlagen;
  • Haltestellen ausgestattet mit einheitlichen Fahrplänen über alle Fernbuslinien sowie mit audiovisuellen Anzeigen und Durchsagen für die Fahrgastinformation;
  • Publikation der Fahrpläne auf einer gemeinsamen Website;
  • Fahrzeuge müssen über einen separaten Raum, in dem sich die Chauffeure ausruhen und verpflegen können, verfügen;
  • Die Fahrzeuge müssen behindertengerecht ausgebaut sein, inklusive sanitäre Anlagen;
  • Die Fernbusbetreiber verfügen über ein eigenes Abfallentsorgungskonzept für die Abfälle aus den Bussen und von den Haltestellen.
transfair erwartet vom BAV, den Organisationen im öffentlichen Verkehr sowie den Behindertenorganisationen entsprechende Eingaben und Vorgaben. Es darf sich nicht lohnen, mit Fernbuslinien im Fernverkehr aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen und unter zu billiger Nutzung von vorhandener Infrastruktur oder mit dem Verzicht auf Standards im öffentlichen Verkehr einen ruinösen Preis- und Verdrängungskampf zu starten.