Erfolgreiche GAV-Abschlüsse SBB und SBB Cargo

Erfolgreiche GAV-Abschlüsse SBB und SBB Cargo © transfair (v.l.n.r. Daniel Ruf, Markus Spühler, Manuel Avallone, Markus Jordi, Daniel Eigenmann, Werner Rüegg von transfair)
12.09.2018

Nach einer intensiven mehrmonatigen Verhandlungsphase haben sich die Personalverbände mit den SBB auf weiterentwickelte Gesamtarbeitsverträge (GAV) geeinigt. Die erzielten Resultate sind aus Sicht von transfair ausgewogen und reflektieren die kommenden Jahre realitätsnah. Bisherige, wertvolle Errungenschaften zu Gunsten der Mitarbeitenden wollte und konnte transfair erfolgreich verteidigen.

Weitere Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Sehr positiv ist die Erhöhung des Vaterschaftsurlaubs auf 20 Tage zu werten, dies auch im Hinblick auf unsere Initiative für einen Vaterschaftsurlaub in gleicher Höhe. Im GAV wird neu das Recht verankert, in der Freizeit nicht erreichbar zu sein. Für Mitarbeitende ohne Zeiterfassung ist der Anspruch auf Auszeit harmonisiert und verbessert worden. Die übrigen Urlaube bleiben unverändert erhalten.
 
Förderung und Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit im digitalen Wandel erhöht
Im laufenden digitalen Wandel haben die Sozialpartner den Fokus konkreter auf die Arbeitsmarktfähigkeit gelegt. Die Weiterentwicklung und Unterstützung der Mitarbeitenden ist im GAV und in einer neuen Vereinbarung präziser verankert worden. Zentrale Inhalte sind die präventive Aus- und Weiterbildung infolge Berufsbildveränderungen und neu auch ein Modell für regelmässige, freiwillige Standortbestimmungen (Boxenstopp) in Sachen Weiterbildung oder bei anderen Lebensumständen. Weiter stellen die SBB für ältere Mitarbeitende, die gesundheitlich angeschlagen sind oder dem digitalen Wandel nicht folgen können, Reintegrationsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Sozialpartner sind sich einig, dass der Nutzen aus den Produktivitätsfortschritten der Digitalisierung den Mitarbeitenden und den SBB in gleicher Weise zugute kommen soll.
 
Beschleunigte Lohnentwicklung
Um einen schnelleren Lohnaufstieg herzustellen, werden Mittel von den einmaligen Leistungsanteilen neu für die individuellen Lohnaufstiege in Form von zusätzlichen Lohnerhöhungseinheiten verwendet. Die jährlichen 0,8 Prozent der Lohnsumme für individuelle Lohnentwicklungen werden bis 2022 fortgesetzt. Für 2021 sind 0,9 Prozent vereinbart. Im Gegenzug sind generelle Lohnerhöhungen in diesem Zeitraum nur bei einer Teuerung von mehr als 1,2 Prozent möglich. Bei den Lohngarantien aus Toco (Wechsel des Lohnsystems ab 2011) wird eine moderate Kürzung über zwei Schritte erfolgen, Garantien bis 5‘000 CHF bleiben «ad personam» garantiert. Damit sind die Garantiebeträge für den grössten Teil des Personals  dauerhaft gesichert.
 
Neue Lastenverteilung der krankheitsbedingten Kosten
Die Mitarbeitenden werden über die nächsten drei Jahre schrittweise an den krankheitsbedingten Fehltagekosten beteiligt. Anstelle einer Krankentaggeldversicherung, führen die SBB eine eigene Lösung ein. Die Lastenverteilung erfolgt disparitätisch, 60 Prozent der Kosten tragen die SBB, 40 Prozent der Kosten tragen die Mitarbeitenden. Dies entspricht einem monatlichen Lohnabzug von  1,2 Prozent. Dieser Lohnabzug wird bei allen Mitarbeitenden mit einer Kompensation im Sinne einer generellen Lohnerhöhung eingeführt. Die oberen Lohnbänder werden entsprechend angehoben. Neu werden in der Lohnfortzahlung bei Krankheit und Unfall auch die individuellen AHV-pflichtigen Zulagen fortgezahlt!
 
Anpassungen infolge der AZG-Revision auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2018 werden gemäss einer separaten Vereinbarung umgesetzt und in den GAV aufgenommen.
 
transfair verteidigt erfolgreich wichtige Errungenschaften
transfair berichtete während des Verhandlungsprozesses darüber, bei welchen wesentlichen Errungenschaften die SBB Abstriche und Einsparungen gefordert hatte. Der Personalverband ist erfreut, dass die Verteidigung zu Gunsten des Personals geglückt ist. So wird die Treueprämie unverändert und weiterhin auch in Zeit bezogen werden können. Die Regionalzulagen und die zusätzliche Ferienwoche für Mitarbeitende ü60 bleiben. Die 115 garantierten arbeitsfreien Tage und die Mindestarbeitszeit von täglich sechs Stunden sind unverändert. Im Bereich des Kündigungsschutzes bei Reorganisationen bleibt der Grundsatz: Wer vier Jahre bei den SBB gearbeitet hat, tritt weiterhin unbefristet in die berufliche Neuorientierung (BNO) über. Es erfolgt einzig eine schnellere Lohnkürzung bei höheren Löhnen ab 120‘000 CHF.
 
Pensionskasse SBB
transfair hat sich immer für eine weitere Verstärkung der Alterskapitalien stark gemacht. Die Verhandlungsparteien haben in einer separaten Vereinbarung ihre Absicht neu bekundet, die kommenden Senkungen des Umwandlungssatzes weiter abzufedern. Die Umsetzung dieser Vereinbarung ist, wie die Genehmigung der GAV auch, abhängig von der Zustimmung aller Gremien, insbesondere des Verwaltungsrates SBB.
 
So geht es weiter
Die neuen GAV treten per 1. Mai 2019 in Kraft und haben eine Laufdauer von drei Jahren, erstmals kündbar per 30. April 2022. Dies unter Vorbehalt der abschliessenden Zustimmung aller Gremien. Der Verwaltungsrat SBB wird Ende September als letzte Instanz über die neuen GAV und die Abfederung der Pensionskasse SBB beraten.
 
Danke!
Branchenpräsident Werner Rüegg und Branchenleiter Bruno Zeller danken allen Mitgliedern für die Unterstützung während dieses zehrenden Verhandlungsprozesses. Ein besonderer Dank geht an den Branchenvorstand und die GAV-Gruppe, die immer wieder die Leitplanken und Mandate im Sinne der Mitglieder vorgegeben haben.
Einsatzbereiche
SBB, SBB Cargo AG