Die SBB-Führung provoziert ihr Personal

Die SBB-Führung provoziert ihr Personal © transfair
23.02.2018

Die Neuverhandlung des Gesamtarbeitsvertrags (GAV) SBB/SBB Cargo hat begonnen. Die Forderungen des Unternehmens enthalten Lohnsenkungen, eine Erhöhung der Arbeitszeit und vereinfachte Kündigungen. Das Personal arbeitet unermüdlich, um Betriebsprobleme wie beispielsweise Sopre zu lösen. Es garantiert zudem tagtäglich die Qualität der Schweizer Eisenbahn. Gleichzeitig ist die Führung mit vielen «Baustellen» eingedeckt. Das Unternehmen müsste also jedes Interesse haben, Konflikte mit seinen Mitarbeitenden zu vermeiden. Doch die Führung macht das Gegenteil und provoziert das Personal. Für die Gewerkschaften und Verbände SEV, transfair, KVöV und VSLF ist es unmöglich, ernsthaft über einen GAV zu verhandeln, solange die Gegenseite ausschliesslich das Ziel hat, die Arbeitsbedingungen massiv zu verschlechtern.

«Die Verhandlungsdelegation der SBB kommt mit einem Forderungskatalog, der ein reines Sparpaket ist: Erhöhung der Arbeitszeit, Senkung der Löhne und Vereinfachung der Kündigungen. Nicht zu vergessen die Streichung von Ferientagen. Und dann ist sie noch so dreist, von einer Entwicklung des GAV zu sprechen», sagt Manuel Avallone, Vizepräsident des SEV, im Namen von SEV, transfair, KVöV und VSLF. «Mit diesem Verhandlungspaket will die SBB-Führung den Druck an das Personal weitergeben. Sie lebt in einem andern Universum, wenn sie glaubt, dass das Personal sich so behandeln lasse!», ergänzt Manuel Avallone.

Die Verhandlungen finden in einem Umfeld von extremem Druck auf die Unternehmung statt. Sie ist bereits verstrickt in Probleme mit der Funktionstüchtigkeit des Programms Sopre und den permanenten Reorganisationen, die mit RailFit 20/30 den Abbau von 1400 Stellen bis 2020 vorsehen. Die Führung steht derweil öffentlich in der Kritik wegen ihrer überrissenen Löhne. Zu diesen zahlreichen selbst errichteten Baustellen kommen noch die Spannungen um die Fernverkehrskonzession hinzu. Die Sozialpartnerschaft garantiert in dieser Situation die Stabilität. Das Personal, das sich jederzeit mit dem Unternehmen identifiziert und Bestleistungen erbringt für den Service public, hat etwas anderes verdient als diesen Frontalangriff.

SEV, transfair, KVöV und VSLF erwarten deshalb von der SBB-Führung, dass sie mit einem Forderungskatalog an den Verhandlungstisch zurückkehrt, über den man wirklich verhandeln kann.
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