«fit4future» im Brennpunkt

«fit4future» im Brennpunkt © transfair
31.10.2017

Bruno Zeller, Branchenleiter Öffentlicher Verkehr, hat sich mit dem Leiter HR der SBB, Markus Jordi, über das bevorstehende Transformationsprogramm «fit4future» ausgetauscht und Antworten zu brennenden Fragen erhalten.

Markus Jordi, was ist der Auslöser für «fit4future» und welche konkreten Ziele will die SBB mit diesem zukunftsgerichteten Programm erreichen?
«fit4future» ist die Antwort auf die Erkenntnisse der Digitalisierung und die technologisch und gesellschaftlichen Veränderungen. Die auf uns zukommenden technologischen Umbrüche werden schneller von statten gehen, als wir es uns gewohnt sind. Will die SBB weiterhin eine führende Rolle in der Gestaltung der Mobilitätskette innehaben, muss sie sich zwingend agiler bewegen. Deshalb investiert die SBB in zwei zentrale Bereiche: Einerseits treiben wir die Innovation voran: Damit sich die Ertragssituation der SBB verbessert, sind intelligentere und innovativere Technologien gefragt. Ausserdem investiert die SBB mit «fit4future» in ihr Personal und dessen Kompetenzen. Die SBB will ihre Mitarbeitenden fit für die Zukunft machen und sie auf die kommenden Herausforderungen vorbereiten.

Die SBB redet bei «fit4future» von Investitionen in die Zukunft. Wieviel lässt sich die SBB «fit4future» kosten?
Bei der Investitionsplanung geht die SBB von einem Zeithorizont bis 2020 aus. Wir unterscheiden zwischen Investitionen in Bildungsleistungen und Investitionen in technische Systeme. Insgesamt investiert die SBB jährlich zwei bis drei Millionen Franken zusätzlich. Bei «fit4future» handelt es sich also ganz klar um ein Investitionsprogramm.

Die angesprochenen Umbrüche im digitalen Bereich bringen  neue Herausforderungen für die Mitarbeitenden mit sich. Was erwartet die SBB von ihrem Personal?
Die SBB sieht hier einerseits sich selbst in der Pflicht, ihre heutigen Mitarbeitenden auf dem Weg in die digitalere Zukunft zu begleiten. Dies gelingt durch das Bereitstellen entsprechender Ausbildungsangebote. Ganz zentral dabei ist zudem die transparente Kommunikation. Damit wird den Mitarbeitenden ermöglicht, ihre Kompetenzen zu erweitern.

Es ist aber auch Aufgabe der Mitarbeitenden, sich gegenüber neuen Herausforderungen aufgeschlossen zu zeigen und sich mit der Frage: «Was muss ich machen, damit ich auch in Zukunft noch «fit» für meinen Job bin?» zu beschäftigen.

Die Digitalisierung wird alle Berufsfelder betreffen. Doch wie will die SBB eruieren, auf welche Herausforderungen die Mitarbeitenden vorbereitet werden und welche Kompetenzen sie sich dazu aneignen müssen?
Die SBB will in einem ersten Schritt die Berufsfelder zusammen mit den Geschäftsbereichen analysieren. In Workshops wird eruiert, welche Schlüsselkompetenzen sich verändern werden. Dabei werden auch Repräsentanten des betroffenen Berufsfelds miteinbezogen, damit sie ihre praxisbezogenen Erfahrungen einbringen können. Nach der gemeinsamen Berufsfeldanalyse definiert das Team neue Schlüsselkompetenzen und überlegt sich, wie diese aufgebaut und geschult werden können.

Die Mitwirkung des Personals ist also ein zentrales Element bei der Weiterentwicklung der Berufsfelder. Selbstverständlich wird auch die Personalkommission im Rahmen der betrieblichen Mitwirkung einbezogen.

Und wie genau will die SBB dieses grosse Vorhaben kontrollieren?
Die SBB hat im sicherheitsrelevanten Bereich bereits ein Kompetenzmanagementsystem (KMS), das bis 2018 eingeführt sein wird. In diesem wird erfasst, wer welche Funktion inne hat, welche Aufgaben sie beinhalten und welche Kompetenzen benötigt werden. Zusätzlich hat die SBB seit 2016 ein Ausbildungscontrolling-Cockpit eingeführt. Damit kann die SBB Ausbildungserfolge messen und Feedbacks einholen. Zusätzlich wird die konkrete Wirkung von «fit4future» gemessen.

Im Rahmen von «fit4future» werden neue, digitale Lernformen «on the job» zum Einsatz kommen. Mitarbeitende sollen sich also während der Arbeitszeit neue Kompetenzen aneignen und nebenbei trotzdem noch ihre Arbeit erledigen – wie soll das aufgehen?
Die SBB hat sich intensiv mit neuen Lernformen auseinandergesetzt. Der Trend geht ganz klar in Richtung «learning on demand» und kurzer aber interaktiver Lernsequenzen. Durch technische Tools ermöglicht die SBB ortsunabhängiges Lernen. So können sich Mitarbeitende während weniger intensiven Arbeitsphasen dem Lernen widmen und sich Kompetenzen und Wissen in kleinen Lernportionen aneignen. Die Einführung dieser neuen Lernformen wird begleitet und die Erfahrungen der Mitarbeitenden werden einbezogen. Präsenzunterricht wird es weiterhin dort geben, wo dies sinnvoll ist.

Digitale Unterstützung, wenn es um das Lernen und die Zusammenarbeit geht ist schön und gut. Doch diese Vernetzung birgt auch Gefahren. Wie will die SBB sicherstellen, dass Mitarbeitende nicht dauernd «online» sind?
Dazu hat die SBB eine Policy entwickelt, in der festgehalten wird, was die SBB von ihren Mitarbeitenden bezüglich Erreichbarkeit erwartet und was nicht. So schafft die SBB Klarheit und die nötigen Rahmenbedingungen.

Doch ich richte mich hier auch an die Mitarbeitenden und rufe sie dazu auf, eigenverantwortlich zu sein, sich selbst abzugrenzen und auch einmal nein zu sagen.

transfair befürchtet, dass es Mitarbeitende geben wird, welche die Fitnesshürden trotz neuen Lerntechniken nicht meistern können. Wie geht die SBB damit um?
Es wird immer Personen geben, welche den neuen Anforderungen nicht gerecht werden und sich die nötigen Kompetenzen nicht aneignen können. Für die SBB ist klar, dass sie da ihrer Fürsorgepflicht nachkommt und den betroffenen Mitarbeitenden Unterstützung anbietet.

Und welche Rolle kommt transfair und den weiteren Sozialpartnern in diesem ganzen «fit4future»-Prozess zu?
Die SBB ist ganz klar auf ihre Sozialpartner angewiesen. Ohne Verständnis der Sozialpartner erreicht die SBB ihre Ziele nicht. Die SBB will ihre Sozialpartner in regelmässigen Dialogen mit einbeziehen und transparent kommunizieren.

Für die SBB ist der respektvolle und faire Austausch auf Augenhöhe mit transfair sehr wichtig.
Einsatzbereiche
SBB