«RailFit 20/30»: wird auch bei der Qualität und Sicherheit gespart?

«RailFit 20/30»: wird auch bei der Qualität und Sicherheit gespart? © SBB CFF FFS
17.10.2016

Die ersten Zahlen zum Spar- und Abbauprogramm «RailFit 20/30» der SBB sind bekannt. Statt den erwarteten 900 werden bis 2020 voraussichtlich 1400 Stellen abgebaut. transfair wurde über das Vorgehen bei der SBB Infrastruktur Betrieb informiert. Dort werden total 250 Stellen eingespart: rund 70 Stellen den Zugverkehrsleitern und 50 Stellen bei den Ereignismanagern. Daneben sind noch weitere Massnahmen und Auswirkungen in diesen Bereichen vorgesehen.

Berufsbilder im Umbruch
Die Ereignismanager müssen sich mit neuen Arbeitsmodellen und neuen Arbeitsorten mit zum Teil beträchtlich grösserem Arbeitsweg und einem neuen Berufsbild auseinandersetzen.

Bei den Zugverkehrsleitern müssen sich viele mit einem tieferen Anforderungsniveau abfinden und Jüngere können entgegen den Versprechungen bei der Anstellung nicht mehr automatisch ins Anforderungsniveau «H» aufsteigen. Zusätzlich wird die Grundbelastung um mindestens 10 Prozent erhöht. Dadurch wird die «freie Zeit» für die Bewältigung von Störungen verkleinert.

Sicherheit und Qualität nicht mehr oberstes Kredo?
Obwohl diese Massnahmen im Infrastruktur Betrieb durch die SBB Abteilung Sicherheit und Qualität (SQ) eng begleitet werden, hat transfair immer noch Bedenken bezüglich Qualität und Sicherheit. Denn ein Abbau in diesem Ausmass führt unweigerlich zu einem Qualitätsverlust und hat unter anderem auch Auswirkungen auf die Pünktlichkeit der Züge. Dadurch wird sich bei unseren Kunden das subjektive Sicherheitsgefühl sicher nicht verbessern, eher sogar verschlechtern.

Eine höhere Grundbelastung führt unweigerlich zu einer grösseren Ermüdung in den Touren. Müssen dann noch Störungen behoben werden, kann dies schnell zu einer Überforderung mit der Arbeitssituation führen und zu einer unnötigen Belastung werden. Die Folgen bei einer zu hohen Arbeitsbelastung, verbunden mit dem Stress in die Sicherheitssysteme eingreifen zu müssen, können nicht vorhergesagt werden. transfair erachtet es jedoch als möglich, dass sich so die Gefahr von Burnouts oder Krankheiten erhöht.

Das persönliche Schuldgefühl bei Fehlern oder das Ausgebrannt sein, kann auch durch eine Begleitung von SQ nicht verhindert werden. transfair ist sich bewusst, dass aufgrund technischer und wirtschaftlicher Veränderungen Reorganisationen entstehen. Aber dass zusätzlich zum teilweise rein finanziell getriebenen Stellenabbau auch noch eine Demotivierung der Mitarbeitenden aufgrund der Vernachlässigung von Sicherheit und Qualität hinzukommt, lässt aufhorchen. Da stellt sich die naheliegende Frage «Wie wichtig sind der SBB ihre Mitarbeitenden überhaupt? » Zudem wurde bis jetzt noch nirgends kommuniziert, wie sich das oberste Management der SBB an den Sparmassnahmen beteiligt. Wir fordern hier, ganz im Sinne von Solidarität, von der SBB-Spitze ein klares Zeichen. Der Verzicht auf Erfolgsprämien oder auf andere kleinere Privilegien, wie beispielsweise bezahlte Parkplätze,  wäre ein denkbarer Weg.