«RailFit 20/30» bei SBB: Meyer hat die Büchse der Pandora geöffnet

«RailFit 20/30» bei SBB: Meyer hat die Büchse der Pandora geöffnet © transfair
22.09.2016

Andreas Meyer hat heute öffentlich die konkreten Massnahmen des Sparprogramms «RailFit 20/30» bekanntgegeben. Statt den erwarteten rund 900 Stellen baut die SBB bis 2020 voraussichtlich sogar 1200 Stellen netto ab. transfair kann nachvollziehen, dass Reorganisationen aus technischen oder wirtschaftlichen Veränderungen entstehen. Zum teilweise rein finanziell getriebenen Stellenabbau und weiteren Kosteneinsparungen beim Personal müssen aber Vorbehalte erhoben werden!

Betroffen ist nebst dem Verwaltungspersonal auch das Betriebs- und Verkaufspersonal. transfair ist bewusst, dass die Angebote der SBB auf dem wichtigsten und grössten Teilstück in der Mobilitätskette auch in Zukunft bezahlbar bleiben müssen, um auf dem Mobilitätsmarkt bestehen zu können. Um Arbeitsplätze langfristig zu sichern, braucht es Innovationen und Investitionen im eigenen Betrieb, die im Gleichschritt mit der Personalentwicklung passieren. transfair befürchtet, dass mit dem vorliegenden Sparprogramm «RailFit 20/30» personelle Engpässe, Wissensverluste und Arbeitsverdichtungen entstehen könnten, die der SBB schaden. Beispiele zeigen, dass das erarbeitete Sparprogramm vor allem die finanziellen Aspekte berücksichtigt. Bereits vorgängig gestartete Reorganisationsprojekte, die nun auch unter RailFit fallen, lassen diese Vermutung zu. Branchenleiter Bruno Zeller findet die Situation kritisch: «Die SBB entzieht bewährten internen Unterstützungsfunktionen Ressourcen – für transfair nicht durchdacht und mit unbekanntem Ausgang». Auf Sorgfalt und Umsichtigkeit darf die SBB dabei aber ganz sicher nicht verzichten!

Beispiel Arbeitsmarktcenter, Gesundheit, Soziales (AGS)
Da viele Organisationseinheiten zur selben Zeit Stellen abbauen werden, wird es tendenziell schwierig für die Betroffenen, interne Anschlusslösungen zu finden. Es ist absehbar, dass viele der Betroffenen ins Arbeitsmarktcenter übertreten werden. Das bedeutet Mehraufwand für den SBB-Bereich AGS. Absurd ist, dass auch AGS als zentraler, unterstützender Bereich für die Mitarbeitenden selber vom Stellenabbau betroffen ist. Wie sollen die Stellensuchenden so von einem geschwächten AGS optimal betreut werden?

Beispiel Berufsinvalidenversicherung
Die SBB hat Berufe mit erhöhtem Gesundheitsrisiko. Bei der bewährten Berufsinvalidenversicherung der Pensionskasse SBB soll ebenfalls ein Leistungsabbau erfolgen. Der Zugang zu einer Berufs-IV-Rente soll zum Nachteil von medizinisch untauglich gewordenen Mitarbeitenden, die ihre Arbeit nicht mehr ausführen können, eingeschränkt werden. transfair ist besorgt über diese Vorgänge, trifft dies doch leider oft ältere Mitarbeitende.

Beispiel Human Ressources
Der jetzt noch wichtiger werdende «Personaldienst» wird einen grossen Stellenabbau erfahren. Man muss damit rechnen, dass bis zu 1/4 der vorhandenen Vollzeitstellen eingespart werden. Diese Sparübung kann unnötige und belastende Arbeitsverdichtungen für das HR-Personal zur Folge haben und zu Leistungsabbau führen.

transfair stellt Forderungen
Die Umsetzung von «RailFit 20/30» muss so sozialverträglich wie nur möglich erfolgen. Dabei fordern wir vor allem in den folgenden Bereichen ein klares Bekenntnis der SBB:
  • Aus- und Weiterbildungen der Mitarbeitenden müssen frühzeitig aufgegleist werden. Nur so bleibt genug Zeit, damit die neu erworbenen Kenntnisse in innovativen Projekten eingesetzt werden können.
  • Das Niveau der Bahnkompetenzen muss weiter hoch gehalten werden. Ein Abbau von erfahrenem Personal wäre fahrlässig.
  • Sicherheit und Qualität für Mitarbeitende und Fahrgäste müssen auch weiterhin im absoluten Fokus stehen.
  • Der GAV ist unbedingt und in jedem Fall einzuhalten und der Stellenabbau muss auf ein absolutes Minimum reduziert werden.
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