Schliessung der Contact Center von Swisscom

Schliessung der Contact Center von Swisscom © CL. / photocase.com
04.02.2016

Der Personalverband transfair bedauert die Schliessung von 6 der 14 Swisscom Contact Center in der Schweiz. Dabei geht es Swisscom nicht darum, einer technologischen Entwicklung vorzugreifen, und erst recht nicht darum, den Kundendienst zu verbessern. Das einzige Ziel dieser Schliessungen ist eine Kosteneinsparung.

Die angekündigte Schliessung von 6 Contact Centern betrifft ca. 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ab April und bis Ende 2016 werden die Standorte Genf, Bern, Basel, Luzern, Zürich und Rapperswil geschlossen. Auch wenn ein Grossteil der betroffenen Personen an anderen Standorten eine Stelle finden kann, müssen über hundert Mitarbeitende den Sozialplan in Anspruch nehmen. Ausserdem ist zu befürchten, dass ein Teil der Angestellten aus verständlichen familiären und privaten Gründen nicht in der Lage sind, eine Arbeitsstelle an einem anderen Standort anzunehmen. Im vorliegenden Fall sieht transfair auch keine konsequente Entwicklungsstrategie von Seiten der Swisscom. Die Verringerung der Anzahl Contact Center und die Erhöhung des Outsourcing-Anteils scheint die These zu belegen, wonach Swisscom sich langfristig von den Aufgaben im Bereich Kundenberatung trennen will. Sollte sich dies bestätigen, wäre dies aus Sicht von transfair ein extrem negatives Signal. Wir können keinen klammheimlichen und scheibchenweisen Abbau zulassen.

Das Personal steht im Vordergrund

Praktisch alle Bereiche des Unternehmens sind von diesen tiefgreifenden Umstrukturierungen betroffen. transfair begleitet den Prozess besonders aktiv und vertritt die Interessen der betroffenen Mitarbeitenden. Unser vorrangiges Ziel ist es, die Arbeitsmarktfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Swisscom zu erhalten. Konkret läuft dies über Weiterbildung und berufliche Umschulung. In diesem schwierigen Umfeld fordert transfair von den Verantwortlichen, dass sie den Mitarbeitenden gegenüber Respekt, Geduld und Verständnis aufbringen, um ihnen Zukunftsperspektiven zu bieten und eine massive Zunahme von Krankheitsfällen und Burn-outs zu vermeiden.

Die Politiker müssen zu ihren Entscheidungen stehen

transfair kann jedoch verstehen, dass Swisscom eine offensive Strategie entwickelt, die auf Kundenorientierung, Innovation und Operational Excellence beruht, um die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens langfristig zu sichern. Swisscom ist zweifelsohne der progressiven und unvermeidlichen Digitalisierung der Wirtschaft und der immer stärker werdenden Präsenz der Global Player auf dem Markt ausgesetzt. Daher ist eine starke Stellung des Hauptakteurs in diesem stets dynamisch werdenden Sektor von grosser Wichtigkeit für den Erhalt von hochwertigen Arbeitsplätzen in der Schweiz. Es sei darauf hingewiesen, dass Swisscom in den vergangenen 4 Jahren über 5 Milliarden Franken in der Schweiz investiert hat. Seit mehreren Jahren üben eine aggressivere internationale Konkurrenz und gewisse politische Führungskräfte, denen die Überlegenheit von Swisscom auf dem Schweizer Telekommunikationsmarkt ein Dorn im Auge ist, immer stärkeren Druck auf Swisscom aus. Diese Politiker täten gut daran, die Initiativen von Swisscom nicht aus ideologischen Gründen oder aus persönlichem Interesse zu bremsen. Die Bevölkerung, die Verbraucherorganisationen, die Politiker und die verschiedenen Lobbys sollten sich zwei einfache Fragen stellen: Wollen wir mit Schweizer Preisen Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten oder mittels Verlagerung zahlreicher Arbeitsplätze nach Europa von europäischen Preisen profitieren? Wollen wir einen Schweizer Leader, der einen hochwertigen Service Public gewährleistet oder ein durch amerikanische Firmen kontrolliertes Monopol?
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