180 Tage im Amt – Valérie Berset Bircher erzählt

180 Tage im Amt – Valérie Berset Bircher erzählt © Valérie Berset Bircher
27.09.2016

Anlässlich der letzten ordentlichen Hauptversammlung vom 6. April 2016 in Freiburg haben die Aktionäre Valérie Berset Bircher in den Verwaltungsrat (VR) von Swisscom gewählt. Im Interview erzählt sie uns von ihren ersten 180 Tagen im Amt und welche grossen Herausforderungen auf die Swisscom zukommen.

Valérie, du bist seit 6 Monaten im Verwaltungsrat der Swisscom. Welche Bilanz ziehst du und welches sind deine ersten Eindrücke?

Bisher habe ich an drei VR-Sitzungen teilgenommen. Es ist daher noch zu früh, um Bilanz zu ziehen. Gerne teile ich jedoch meine ersten Eindrücke. Das Unternehmen ist sehr gut verwaltet, die Geschäftsleitung und der VR sind ausserordentlich professionell. Man hat mich herzlich begrüsst und gut in den VR integriert. Die Beziehung zwischen Geschäftsleitung und VR ist offen und direkt sowie von einem herzlichen Arbeitsklima geprägt.

Gewisse politische Kreise bringen die Privatisierung von Swisscom immer wieder zur Sprache. Wie denkst Du darüber?

Swisscom ist einer der grössten und wichtigsten Arbeitgeber der Schweiz und mein Ziel ist es, dass das so bleibt. Damit Swisscom diese Rolle weiterhin wahrnehmen kann, muss das Unternehmen konkurrenzfähig bleiben und weiterhin über einen stabilen Mehrheitsaktionär verfügen, der bereit ist, eine langfristige Unternehmensstrategie zu unterstützen. Denn strategische Entscheidungen aller Art obliegen dem Mehrheitsaktionär. Zu Zeiten der Digitalisierung, der vernetzten Welt, des Datenschutzes ist es besonders wichtig sicherzustellen, dass unser Land über eine hervorragende Infrastruktur verfügt. Die Sicherheit des Systems und dessen Fortbestand sind wichtig und für mich ist es entscheidend, dass wir die Infrastruktur und die Dienstleistungen im Bereich Telekom kontrollieren können.

transfair hat sich stark gegen die Initiative «Pro Service Public» eingesetzt, die schlussendlich eindeutig abgelehnt wurde. Wie hat der VR auf dieses Resultat reagiert und wie interpretiert er den Volksentscheid?

Der VR ist erfreut über die Ablehnung dieser Initiative, die nicht auf die richtigen Ziele zusteuerte und den Service Public geschwächt hätte. . Selbstverständlich verfolgt der VR die aufgeworfene Frage der Managerlöhne aufmerksam, denn sie ist auf politischer Ebene immer noch aktuell. Persönlich bin ich der Ansicht, dass diese Fragen in der Generalversammlung zur Sprache kommen könnten, weil dieses Organ die Vergütungen ja auch genehmigt. Anlässlich der letzten GV hat jedoch niemand die vorgeschlagenen Vergütungen in Frage gestellt.

Innerhalb des VR vertrittst Du die Arbeitnehmer im Namen von transfair. Wie siehst du deine Aufgaben in dieser Funktion?

Ich sehe mich als eine Brücke zwischen dem Unternehmen, dem Management, dem VR und transfair. Jedes der 9 VR-Mitglieder hat unterschiedliche Kompetenzen und jeder muss seinen Platz finden. Ich brauche noch ein paar Monate Zeit, um mich in meiner Rolle zu finden. Zum heutigen Zeitpunkt verstehe ich meine Aufgabe so: ich will ein vollwertiges VR-Mitglied sein und dabei ein wachsames Auge auf Personalfragen haben, sie analysieren, und dabei stets auch die Anliegen des Unternehmens verstehen. Meine Aufgabe ist es, die Geschäftsleitung und den VR für strategische Personalfragen zu sensibilisieren, aber auch transfair auf die kommenden Veränderungen aufmerksam zu machen. So können sich alle Parteien möglichst früh auf Veränderungen vorbereiten. Aufgrund meiner Ausbildung gilt mein besonderes Augenmerk rechtlichen Fragen und juristischen Risiken.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Welche Herausforderungen erwarten Swisscom und mit welcher Strategie wird Swisscom diese angehen?

Zu den Herausforderungen gehört der steigende Wettbewerb, nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene. Der Preisdruck zwingt Swisscom dazu, in Bezug auf die Qualität ihrer Dienstleistungen und Produkte noch anspruchsvoller zu sein. Eine Herausforderung für das Personal ist und bleibt die Anpassung an die technologischen Veränderungen. Die Strategie von Swisscom ist darauf ausgerichtet, weiterhin die bestmögliche Infrastruktur zu bauen, einen gut funktionierenden Kundendienst zu haben, neue digitale Dienstleistungen zu schaffen, qualifiziertes Personal mit anerkannten und gesuchten Kompetenzen auszubilden und zu halten. Swisscom ist ein Vorbild im Hinblick auf die Schulungspolitik und die Chancen, welche das Unternehmen der jungen Generation bietet.